125 Jahre Carl Prinz: Eine »märchenhafte« Erfolgsgeschichte

Das bereits in vierter Generation geführte Unternehmen aus Goch feiert im September 2015 sein Jubiläum. Dabei schaut der Profil-Hersteller nicht allzu weit in die Vergangenheit – die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft wurden bereits gestellt...

Es war einmal ein »Prinz« aus dem sauerländischen Werdohl namens Carl, der im Jahre 1890 eine Großhandlung für Innendekoration aus Messinggussartikeln, Treppen- und Gardinenstangen gründete und damit den Grundstein für eine »märchenhafte« Erfolgsgeschichte legte, die nunmehr bereits 125 Jahre andauert... Die stets familiengeführte Carl Prinz GmbH feiert im September dieses besondere Jubiläum unter dem Motto Gäste werden der Feier in Goch beiwohnen und dem Profil-Spezialisten die Ehre geben, darunter natürlich Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Offizielle der Stadt und Verbandsrepräsentanten.

Vom Sauerland an den Niederrhein
Als Kaufmann Carl Prinz die Firma im Sauerland gründete, war er seinerzeit umgeben von Senkschmieden und Betrieben, die sich mit der Metallverarbeitung beschäftigten. »Die Region war bestens bekannt für ihre Kleineisenindustrie«, sagt Joachim W. Prinz, Enkel des Gründers. Für einen Handel von Messing- und anderen Metall-Artikeln war dies natürlich eine glückliche Standort-Position, vor allem ab dem Jahr 1920, als aus dem Großhandel ein Hersteller wurde. Im gleichen Jahrzehnt noch erhielt das Unternehmen ein entscheidendes »Profil«, das die Firmen-Identität bis heute prägt: Walter Prinz, Sohn des Firmengründers, führte die erste Fertigungsstraße für Messingprofile ein. Natürlich wurden auch weiterhin Gardinenstangen und Schirmständer produziert.
So sind die »Prinzen« allmählich im positiven Sinne auf den »Boden« gekommen – doch auch nach Goch an den Niederrhein. Nicht nur, dass allmählich die Räumlichkeiten zu klein wurden, lag die Firma leider auch »im Weg« eines großindustriellen Unternehmens, das ein neues Walzwerk bauen wollte.
»Wir wurden quasi mit viel Geld weggelobt«, schmunzelt Joachim W. Prinz. »Und am Niederrhein wurde seinerzeit viel staatlich subventioniert und gefördert, da dort nur Landwirtschaft und Äcker waren. » So kam man nach Goch, eine alte Weberstadt, wo etwa die Textilindustrie ansässig war. Fast ausschließlich – eine metallverarbeitende Industrie gab es dort (noch) nicht und ebensowenig Schlosser und Werkzeugmacher. Das einst strukturschwache Gebiet sollte sich für die »Prinzen« dennoch als ein guter Griff herausstellen. Denn durch die später erbauten Autobahnen und Wasserweganbindungen stellte sich der Standort als logistisch mehr als wertvoll heraus.
»Wenn man heute durch das Sauerland fährt, trifft man auf Strecken und Orte, die mittlerweile völlig deindustrialisiert sind. Im Nachgang war es eine sehr gute Entscheidung, nach Goch zu gehen«, sagt Joachim W. Prinz, der die Geschicke des Unternehmens seit dem Jahr 1965 lenkt. Überhaupt hat dieser »Prinz« den Profil-Spezialisten strategisch neu ausgerichtet.

Profil- und Dübelfertigung
Joachim W. Prinz, der 1965 die Geschäftsführung übernahm – pünktlich zum 75­jährigen Jubiläum, war der Meinung, »dass man sich besser konzentrieren sollte«. Und zwar auf Fußböden bzw. deren formvollendete Abschlüsse und Übergänge. Zudem war der Markt für Gardinenschienen und Stangen gut bestückt. Zwei strategische Geschäftsfelder sind übriggeblieben: Boden-Profile und Dübel. Letztere resultierten aus dem Gardinen­Segment und stellten keinen unwichtigen Teil der Prinz- Umsätze dar. Prinz’ Marktanteil in Sachen Dübel in Deutschland betrug traumhafte 60 Prozent. »Für uns war dies ein großes Geschäft«, so Joachim W. Prinz. 2006 verabschiedete man sich von der Dübel-Fertigung, gab es doch keinerlei Synergien zwischen diesen und den Profilen: komplett verschiedene Produktionen, Abläufe und Mitarbeiter. In dieser Entwicklung liefen die Profile rasant, die Dübel blieben immer auf dem gleichen Level und letzten Endes betrug deren Anteil nur noch 10 Prozent.


Profile entwickelten sich stramm nach oben
Geschäftsführerin Katharina Prinz, Tochter von Joachim W. Prinz und somit Ur­Enkelin des Gründers, war schon von Jugendzeiten an im Unternehmen, wo sie nah an der Produktion in der Arbeitsvorbereitung tätig war, und erinnert sich: »Die Profile entwickelten sich ganz stramm nach oben. Vielleicht gab es damals 20 verschiedene Profile, und Aluminium als Werkstoff stand noch ganz am Anfang. Es gab hauptsächlich Messing, ein bisschen Edelstahl und es wurde hauptsächlich rollgeformt. Aber stranggepresste Profile kamen erst mit den 1970er Jahren auf.« Katharina Prinz ist seit 1995 im Unternehmen und seit dem Jahr 2000 ist sie Geschäftsführerin.
Mit dem Aufkommen neuer Bodenbeläge wie Fertigparkett oder Laminat Mitte der 1980er Jahre erfuhr das Profilgeschäft einen echten Schub. Für die Entwicklungsabteilung im Unternehmen war dies die Initialzündung, ihrer Kreativität ungebremst freien Lauf zu lassen. Seither hat Prinz eine Fülle von Produkten zum Patent angemeldet und es auch zu einer Reihe von Europa-Patenten gebracht.


Optimierung von Lager, Logistik und Produktion
In Goch unterhält Prinz zwei Standorte – noch. Bis 1997 war man ausschließlich im Innenstadtbereich, wo nicht viel Platz für Ausdehnung war. Miethallen mussten hinzugenommen werden. »Dann haben wir zusätzlich ein Grundstück im Gocher Gewerbegebiet erworben und bebaut, auf rund 30 000 m²«, so Katharina Prinz. Das Areal birgt genug Platz, um den Innenstadt­Standort zu verlagern. »Durch die Standortkonzentration wird es große Synergieeffekte geben«, verspricht Katharina Prinz. Geplant sind der Bau einer großen Produktionshalle mit umfangreichen Lagerkapazitäten für Rohmaterialien, der Neubau eines modernen Verwaltungsgebäudes sowie eine Erweiterung des erst vor vier Jahren vergrößerten modernen Lager­ und Logistikzentrums.
»Wir stellen uns den Herausforderungen der Zukunft«, betont die Geschäftsführerin. »Für uns ist es nicht nur wichtig, gute Produkte zu haben, sondern auch das Thema Logistik. Die Ware muss binnen kürzester Zeit beim Kunden sein!« Und gerade was die Logistik betrifft, haben die »Prinzen« in den vergangenen Jahren unheimlich gute Konzepte erarbeitet. Allein das Lager bevorratet mehr als 3200 reine Prinz-Artikel. Ende 2011 wurde das Lager erst erweitert.
Prinz: »Wir haben uns darauf eingestellt, viele Kundenkommissionen und Kleinstmengen, gerade für den Großhandel, machen zu können – und das auch mal binnen 24 Stunden.«
Und in Sachen Logistik und Neubau überlässt das mittelständische Unternehmen nichts dem Zufall. So wurde für das Lager etwa externe Experten-Meinung mit ins Boot geholt, um möglichst effizient in Sachen Warenein- und Warenausgang agieren zu können. Und für die Standortverlagerung hat Prinz die Hochschule Rhein-Waal in Kleve hinzugezogen, die einen Bereich hat, der sich etwa auf Produktionslogistik spezialisiert hat. So soll der Aufbau eines neuen Produktionssystems nach Lean­Management­Kriterien erfolgen. »Die Anordnung der Maschinen und der Prozesse muss analysiert werden und wie dann das gesamte ›Produktionslayout‹ aussehen könnte«, erläutert Katharina Prinz. Ebenso wichtig und Teil des Planens ist die Lagerhaltung des Rohmaterials, um bestmöglich produzieren und schließlich liefern zu können. Ziel ist es auch, in Kleinstserien zu produzieren, den Umschlag am Lager zu erhöhen und trotzdem immer den Vorrat sicherzustellen.


Nah und stark am Markt
Prinz zeichnet sich nicht nur durch intelligente Produktsysteme und Services aus – sondern auch durch die Menschen »dahinter«, die 85 Mitarbeiter. Unter der Belegschaft finden sich zahlreiche, die langjährig im Unternehmen tätig sind. Zudem wird intensiv ausgebildet. »Wir sind auch stark im Vertrieb und damit eben nah am Markt«, bekräftigt Katharina Prinz.
14 Außendienstmitarbeiter betreuen das gesamte Bundesgebiet und die angrenzenden Niederlande. Dazu kommt die Anwendungstechnik, die von Norbert Lauhöfer geleitet wird. Die Leitung des Deutschlandvertriebs obliegt Matthias Jungfermann. In Sachen Vertrieb war und ist Prinz immer Partner des Fachhandels, »und das wollen wir auch nach wie vor bleiben«, unterstreicht die Geschäftsführerin. Prinz-Kunden sind der Holz­, Boden­ und Maler- sowie der Baustofffachhandel. Mit der Bodenbelagsindustrie wird eng kooperiert und immerhin zu 10 Prozent Umsatz gemacht. Die Export- Quote liegt bei 20 Prozent. Und für 2015 rechnet das Unternehmen mit einem Wachstum von 4 bis 5 Prozent. Katharina Prinz: »Unser Ziel ist Wachstum, aber gesundes Wachstum. Über allem steht bei uns eine langfristige, konti nuierliche, gute und unabhängige Entwicklung.«


Vollsortimenter: Unterlagen und Profile für alle Boden-Gattungen
Dass Prinz hin und wieder (im positiven Sinne!) gezwungen ist, das Lager zu erweitern, liegt auch daran, dass viele Ideen erfolgreich umgesetzt wurden. Eine davon war etwa die Akquisition des Unterlagen-Spezialisten ProtectFloor in 2009. In nur sechs Jahren entwickelte sich das Geschäft mit Trittschalldämmungen und Parkettunterlagen zu einer profitablen zweiten Sparte, die nunmehr rund 18 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. »Alle unsere Kunden benötigen dieses Segment«, so Katharina Prinz. »Und wir können die Produkte in vorhandene Kanäle mitliefern. Zudem erhalten wir selbst mehr Know­how im Bereich des Untergrundes und dessen Vorbereitung. Es war eine gute Entscheidung!« Im letzten Jahr wurde das Programm in Sachen Akustik-, LVT- und Profi-Matten weiter ausgebaut.
Neben der ohnehin enormen Profil-Vielfalt für hölzerne, textile sowie Multilayer­-Böden hat Prinz sich auch früh genug dem Feld der Designbeläge gewidmet. Es umfasst verschiedene Abschluss-, Rampen-, Dehnungsfugen­ und Wandanschlusstypen, diverse Übergangsprofile, Treppenkantenprofile und Innenwinkel sowie zugehörige Sockelleisten und passgenaues Zubehör. Laut Prinz ist es das »größte« Profil-Sortiment am Markt für dieses Wachstumssegment.
Seit 2014 ist Prinz Vollsortimenter in Sachen Profile für Bodenbelagsgattungen, da man auch die Tür für keramische Fliesen und Steinfußböden geöffnet hat. Hier entstand gerade seitens Baustoffhandel eine enorme Nachfrage.
Katharina Prinz: »Es macht absolut Sinn, dieses Feld mit anzubieten. Und wir werden dies sukzessive aufbauen.«
Verzetteln will man sich indes nicht, indem man etwa Bodenbeläge anbietet.
»Wir wollen keinen Gemischtwarenladen. Unterlagen und Profile für Fliesen waren eine sinnvolle Ergänzung. Wir wollen als Hersteller erkennbar bleiben und nicht als Händler auftreten.«


Wie geht’s weiter im 126. Jahr?
Viele große Unternehmen hecheln Kurzzeiterfolgen hinterher, um den schnellen Euro zu machen. Bei Prinz will man natürlich auch erfolgreich sein – und das ist man nachhaltig, allein auch deshalb, weil man strategisch auf langfristige Ziele setzt. »Selbstverständlich blicken wir mit großer Freude und auch einem gewissen Stolz auf die letzten 125 Jahre zurück«, sagt Katharina Prinz. »Aber grundsätzlich ist unser Blick immer nach vorne gerichtet, damit noch möglichst viele Jahre dazukommen. Deshalb müssen wir kreativ und immer bereit zum Wandel bleiben.« Das gilt im Hinblick auf innovative, nutzensteigernde Produkte ebenso wie für den Bereich Service. Speziell hier plant Prinz einen neuen, auch für mobile Endgeräte geeigneten Web-Auftritt, der in diesem Jahr fertig sein soll. Ziel ist es, Kunden noch umfangreicher zu informieren und zu unterstützen. Und in Sachen Informationstechnologie möchte Prinz mit einem PIM­System, das derweil eingeführt wird, noch einen draufsetzen.
»Das Verwalten und Abrufen von strukturierten Artikel-Stammdaten wird ganz wichtig für die Zukunft werden. Wir wollen die Kunden ganz schnell zur gewünschten Information führen.«
Natürlich werden die nächsten Jahre ganz im Zeichen der Zusammenführung der Standorte und des Aufsetzens neuer Produktionsabläufe stehen. Doch natürlich wird es auch Produktergänzungen geben, die bereits in der Pipeline stehen. Ein weiteres wichtiges Thema für die Zukunft ist Individualisierung – seien es Digitaldruck, Sonderanfertigungen, objektbezogene Veredelungen oder Kleinst­Serien, »wir wollen kundenspezifisch und flexibel reagieren können«, so Katharina Prinz. Joachim W. Prinz pflichtet ihr bei und ergänzt: »Wir müssen dranbleiben!«
Die Geschichte der »Profil-Prinzen« ist wahrlich kein Märchen, sondern vielmehr eine Erfolgsgeschichte, die bereits in vierter Generation weitergeschrieben wird.

Thomas Ottaviano, Objekt 9/15

www.objekt-verlag.de

04. September 2015, 12:44

Durch den Zukauf weiterer Flächen wurde das Standortgelände an der Siemensstraße im Industriegebiet West auf rund 30 000 m2 vergrößert. Geplant sind der Bau einer großen Produktionshalle mit umfangreichen Lagerkapazitäten für Rohmaterialien, der Neubau eines modernen Verwaltungsgebäudes sowie eine Erweiterung des erst vor vier Jahren vergrößerten modernen Lager- und Logistikzentrums. Im Gegenzug wird das Stammhaus an der Jakobstraße aufgegeben.

1990: »D.O.S.«, der Anstoß für die Innovationskultur von Prinz. Das Kürzel steht für Dübelfest ohne Schrauben. Dieses Profil war das erste, dem die Idee zugrunde liegt, Profile ohne sichtbare Schraubköpfe im Boden zu verankern.

Vater und Tochter: die Geschäftsführer Joachim W. und Katharina Prinz

Es gibt viel(e) Prinz(en): Inzwischen steuert die vierte Generation um Geschäftsführerin Katharina Prinz (4. von links) die Geschicke des Profilsystemspezialisten. Von links: Mutter Karin Prinz, Vater und Geschäftsführer Joachim W. Prinz, Nichte Charlotte, Schwager Thomas Prinz, Nichte Friederike und Schwester Bettina Prinz.

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