Ein Unternehmen mit Profil

NRZ vom 05.03.2015: Goch – Katharina Prinz führt in Goch ein 125-jähriges Familienunternehmen: "Es ist immer Ziel, sich nach vorne zu orientieren."

Es gibt in Deutschland viele mittelständische Unternehmen, die faszinierende Produkte herstellen. Produkte, von denen man eigentlich nicht dachte, dass man damit einen großen Betrieb aufbauen kann: Fußbodenprofile zum Beispiel. Man sieht sie kaum, sie werden unscheinbar zwischen Teppich, Fliesen oder Parkett verlegt – und doch sind sie in jedem Haushalt vorhanden.

Katharina Prinz wundert sich selbst ein wenig, dass ihr Unternehmen in der Tat 2957 Artikel im Angebot hat. Fast 3000 Profile und Sockelleisten stehen im Katalog zur Auswahl – in unterschiedlichsten Farben, Formen und Metallen. Das Unternehmen Carl Prinz aus Goch ist der führende Anbieter und Hersteller von Fußbodenprofilen in ganz Deutschland und möchte jetzt auch international eine größere Rolle spielen.

Das Unternehmen ist ein klassischer Familienbetrieb mit 125-jähriger Firmengeschichte. Seit 2000 führt ihn Katharina Prinz in der 4. Generation. Von Kindesbeinen an hat sie die Produktion unter Vater Joachim Walter mitbekommen: "Ich habe an jeder Maschine schon mal selbst gearbeitet", sagt sie. Noch heute gehe es familiär im Betrieb zu. Jeder Mitarbeiter werde in Teams eingebunden, man kenne sich, die Hierarchie ist flach.

Neue Märkte erschließen

Der Markt für Fußbodenprofile und Sockelleisten ist stark umkämpft. Für Katharina Prinz ist es daher wichtig, dass der Name des Unternehmens eine starke Marke darstellt – die für Qualität, gute Verarbeitung und kundenorientierten Service steht. "Für uns ist ein starkes Marketing beim Handel wichtig", sagt sie. 13 feste Außendienstmitarbeiter haben dem Namen Prinz einen hohen Bekanntheitsgrad gegeben: "Es passiert uns nicht mehr, dass uns ein Händler oder Handwerken gar nicht kennt", sagt Katharina Prinz. Abnehmer sind unter anderem der Groß- und Einzelhandel für Bodenbeläge, Baustoffhändler sowie Heimwerkermärkte.

Auch wenn sie die ersten Fühler nach Australien und Asien ausgestreckt hat, bleibt Europa für Prinz der Hauptabsatzmarkt. Ein Ziel sei es, künftig auch verstärkt in den Objektmarkt einzutreten. Katharina Prinz möchte nicht mehr nur für den großen Massenmarkt produzieren, auf dem ein großer Preiskampf herrscht, sondern auch für größere Bauprojekte liefern.

Auch wenn die Fußbodenprofile keine High-Tech-Produkte sind, gibt es auch hier immer wieder Innovationen. "Wir versuchen aus dem Auge des Handwerkers Verbesserungen für die Verarbeitung zu entwickeln", sagt Prinz. Auch sei es die Industrie, die häufig auf das Unternehmen zukomme und nach Lösungen suche. Etwa für neue Bodenbeläge wie den Vinylboden LVT, der eine neue Aufbauhöhe aufweist. Bei der Neuentwicklung von Produkten gibt es ein klares Pflichtenheft: "Wir fragen uns immer, was ein Produkt können muss."

Katharina Prinz führt ein Unternehmen mit 84 Mitarbeitern. Die Frauenquote liegt bei 41,7 Prozent, sagt sie und erzählt stolz, dass Frauen schon immer eine wichtige Rolle im Unternehmen gespielt haben. Auch ihre Mutter habe sich engagiert eingebracht und den Verkaufsinnendienst geleitet. Katharina Prinz hat vier Jahre Jura studiert und dann ein Studium der Betriebswirtschaft absolviert. Die Entscheidung, das Unternehmen zu übernehmen, sei bei der 100-Jahr-Feier gereift: "Ich fand es einfach schade, dass niemand in Aussicht war, diesen Betrieb weiterzuführen." Heute landen alle juristischen Dinge sofort auf ihrem Schreibtisch, denn Katharina Prinz ist auch noch Handelsrichterin am Landgericht in Kleve. Die Zivilverfahren, die sie begleite, seien sehr lehrreich: "Man lernt, wie man leicht Fehler vermeiden kann."

Die Produktion wird umgestellt

Als Führungspersönlichkeit versucht Katharina Prinz so offen wie möglich zu sein – und vor allem gerecht. "Jeder kann seine Interessen vorbringen", sagt sie. Und dass die Beschäftigten sich mit dem Unternehmen identifizieren können, zeige auch die große Zahl langjähriger Mitarbeiter. Es sei wichtig, ein Teamgefühl zu entwickeln: "Dann kann man gut zusammenarbeiten." Aktuell arbeite man daran, die Produktion umzustellen, um flexibler zu sein, da die Produkte schnelllebiger werden.

Das Unternehmen Prinz weiter zu führen, gehe letztlich nur mit den Mitarbeitern. Ständig arbeite man an der Organisationsstruktur und an Ideen für die Zukunft. "Es gibt kein Jahr des Rückschritts", sagt Katharina Prinz. Es sei immer Ziel, sich nach vorne zu orientieren, neue Märkte zu erschließen. "Wichtig ist, dass wir die richtige Strategie haben."

Quelle: www.derwesten.de

05. März 2015, 14:29

Unternehmerin Katharina Prinz führt in Goch ein Unternehmen mit 84 Mitarbeitern. Foto: Andreas Gebbink

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