Immer weiter entwickeln

Von einer Großhandlung für Dekoration und Messingwaren zu einem Spezialisten in der Herstellung von Profilsystemen für alle Arten von Bodenbelägen - die Firma Carl Prinz in Goch hat sich in ihrer mehr als 125 Jahre währenden Geschichte immer weiterentwickelt. Geschäftsführerin Katharina Prinz, bereits die vierte Generation im Unternehmen, will dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

TEXT: BIRTE PENSHORN

Es läuft gut für Prinz, die Anzahl der Aufträge ist stark angestiegen, mittlerweile sind es etwa 47 000 pro Jahr - vor etwa fünf Jahren waren es noch knapp die Hälfte, verrät Katharina Prinz im Gespräch vor Ort in Goch. Im vergangenen Jahr hatte man etwa 12 Prozent Umsatzwachstum, 2016 habe man damit die Planzahlen deutlich übertroffen und eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre der Unternehmensgeschichte erlebt. Für das kommende sind 7 Prozent Wachstum geplant. Wichtig ist ihr dabei auch: Dieser Umsatz wird mit Artikeln aus eigener Produktion erreicht. Und in diesem Jahr wird deren Anzahl noch einmal deutlich erhöht: Ab April werden 50 neue Profiltypen in über 600 Ausführungen auf den Markt gebracht, die bereits Anfang des Jahres auf der BAU in München präsentiert wurden. Ein neuer Musterkoffer, Musterbücher, Prospektmaterial und der ergänzte Internetauftritt sollen bei der Markteinführung helfen. Im zweiten Halbjahr werden Produktvideos entwickelt.

Neue Produktionshallen

Um den gestiegenen Bedarf zu bewältigen, hat das Unternehmen im vergangenen Sommer seine Lagerkapazitäten an der Siemensstraße deutlich erweitert und einen neuen Hallentrakt fertiggestellt, der 1200 Quadratmeter Hochregal-Lagerfläche bietet. Neben diesem Standort hat das Unternehmen noch einen weiteren in Goch, an der Jakobstraße im Innenstadtbereich Schlosserei, Werkstatt, das Rohwaren-Lager und die Produktion befinden sich dort.

Doch diese Zweiteilung ist für das Unternehmen bald nicht mehr praktikabel, da das Produktionssystem komplett verändert werden soll. Aktueil seien etwa 4 000 Artikel aus Lagervorrat lieferbar. "Wir sehen den Trend, dass es immer mehr Spezialprofile gibt oder Oberflächenveredelungen." Allerdings ist es nach Ansicht von Katharina Prinz nicht mehr zeitgemäß, alle Artikel aus dem Angebot auch am Lager zu haben. Deshalb sind nach der Erweiterung des Hochregallagers noch weitere Baumaßnahmen an der Siemensstraße geplant: Alle Bereiche, die sich derzeit noch an der Jakobstraße befinden, sollen hierhin verlagert werden. In den dann neu entstandenen Produktionshallen soll schneller auftragsbezogen gefertigt werden können. Die neue Halle wird dabei "von innen nach außen" entstehen "Zuerst müssen die Produktionsprozesse feststehen, dann können wir die Halle daran anpassen." Der Baubeginn soll noch in diesem Jahr erfolgen, die Fertigstellung ist für 2018 geplant. Gut vier Millionen Euro investiert Prinz in die neue, etwa 5 500 Quadratmeter große Fläche.

Und dann folgt auch schon das nächste Projekt: ein neues Warenmanagement-System, das verfeinert und auf die Prozesse angepasst wird, um noch schneller und leistungsstärker kommissionieren zu können. "Damit beginnen wir aber erst, sobald die neuen Hallen gebaut sind."

Bei aller Innovationsfreude und Weiterentwicklung, ist eines bei Prinz in Stein gemeißelt: "Wir werden nie direkt an den Endkunden oder den Handwerker liefern." Partner ist für Prinz ganz klar der Fachhandel. Dazu gehört neben Holz-, Bodenbelags- und Maler­ beziehungsweise Farbengroßhandel auch der Baustoff-Fachhandel - und das immer stärker. "Der Anteil der Baustoff-Fachhändler als Kundengruppe ist in den letzten Jahren stark gewachsen." Mittlerweile gehören diese zur Fokuskundengruppe. Aus diesem Grund hat man 2014 auch Fliesenprofile mit ins Programm aufgenommen, um dem Baustoff-Fachhändler für jeden Bodenbelag ein passendes Profil anbieten zu können. Gegen einen kleinen Preisaufschlag kann alles aus dem Programm auch einzeln bezogen werden. "Wir bieten bedarfsorientierte Logistikkonzepte an."

Ein weiterer Service für den Händler: Die Schulungsprogramme für den Außendienst und den Verkäufer im stationären Handel aber auch für Handwerker. "Diese werden regelmäßig überarbeitet und den Händlern als fertige Pakete angeboten."

Auch die Digitalisierung ist für den Hersteller ein Thema. Derzeit testet Prinz deshalb ein Pilotprojekt, von dem sie sich in Goch viel versprechen: Beim Drop-Shipping wird über den Online-Shop des Handels bestellt, das Unternehmen liefert dann aus. "Wir glauben, dass dies zunehmen wird." Der Händler hat dadurch den Vorteil, dass er die Produkte nicht mehr in großen Mengen vorrätig lagern muss.

Weiterentwicklung hat bei Prinz Tradition. Gegründet wurde das Unternehmen 1890 in Werdohl im märkischen Sauerland, von Katharina Prinz' Urgroßvater Carl Prinz, nach dem der Hersteller auch benannt ist. Mit dem Großvater erfolgte dann 1956 der Verkauf des bisherigen Standortes und der Umzug nach Goch in ein vorhandenes Gebäude an der Jakobstraße, da der vorherige Platz nicht mehr ausreichte.

1965 übernahm Joachim W. Prinz, der Vater von Geschäftsführerin Katharina Prinz, das Unternehmen und richtete es strategisch neu aus. Die Handelsware wurde stark eingeschränkt, stattdessen die beiden Fertigungsbereiche Dübel und Profile ausgebaut. 2006 war dann auch mit den Dübeln Schluss und der Bereich verkauft. Diese hatte Prinz noch selbst gefertigt und damit große Kunden beliefert, doch die Nachfrage war hier zuletzt immer kleiner geworden. Im Gegensatz zum Profilbereich, welcher immer weiter wuchs und deshalb ausgebaut wurde. Alle Metallprofile stammen dabei aus eigener Fertigung. "Mein Vater hatte die Vorstellung, in einem Nischenbereich der Beste zu sein", sagt Katharina Prinz. Um das Angebot auszubauen und Systemlösungen anbieten zu können, kaufte man schließlich 2009 eine kleine Firma, die unter anderem Trittschalldämmungen und Parkettunterlagen fertigte.

Katharina Prinz ist seit 1995 im Unternehmen, seit 2000 ist sie, wie auch ihr Vater, in der Geschäftsführung. Beide sind jeweils alleinvertretungsberechtigt. Ihre Schwester Bettina (Leitung Personal) und ihr Schwager Thomas (Leitung Finanzen und Controlling) arbeiten ebenfalls im Familienunternehmen, beide sind Prokuristen.

baustoffmarkt 3/17

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Das Firmengebäude an der Siemensstraße (o.) und der Versand.

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Katharina Prinz ist seit 2000 in der Geschäftsführung.

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Ein Blick in die Produktion.

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