Interview mit Katharina Prinz

Mit Bodenhaftung nach den Sternen greifen.

Ein Unternehmen wird durch viele Dinge geprägt, da gibt es die Mitarbeiter, die Kunden, die Produkte. Und es gibt auch die eigene Geschäftsleitung. Das Gespräch wurde im Mai 2010 geführt und verrät einiges über unsere Geschäftsführerin Katharina Prinz - unter anderem auch, warum man Bodenhaftung braucht, um nach den Sternen zu greifen.

Viel Spaß!

Katharina Prinz
Katharina Prinz

Frau Prinz, die Telekom hat eine Frauenquote für Führungskräfte eingeführt. Aus Ihrer Sicht eine gute Idee?

Ich finde, das ist eine gute Idee. Obwohl ich das Wort „Frauenquote“ schrecklich finde. Das Wort ist negativ behaftet, weil es zu verstehen gibt, dass minderqualifizierte Frauen unter Umständen – nur um eine Quote zu erfüllen – auf einen Posten gehoben werden. Fest steht, dass mindestens 50% der Universitätsabgänger Frauen sind. Viele dieser Frauen können nicht in höchste Positionen vorstoßen, weil Männer ganz offensichtlich viel besser Netzwerke bilden. Im Prinzip sind es also nicht böse gemeinte, aber dennoch einflussreiche Mechanismen, die das Vorstoßen qualifizierter Frauen in angemessene Positionen verhindern. Dass die Frauenquote diesem Problem erfolgreich entgegenwirken kann, lässt sich zum Beispiel in Skandinavien beobachten. Dort sind wesentlich mehr Frauen in absoluten Führungspositionen tätig.

Reinhard Mey hat einmal gedichtet „Männer im Baumarkt, während draußen die Frau parkt.“ Wer parkt bei Ihnen? Sie oder Ihr Mann?

Leider kenne ich diesen interessanten Song nicht. Schließlich bin ich eine sehr beschäftigte Frau (lacht). Wer bei uns parkt, hängt davon ab, mit welchem Auto wir unterwegs sind. Und ich glaube, es versteht sich von selbst, dass ich es mir nicht nehmen lasse, den Einkauf mit meinem Mann gemeinsam zu erledigen.

Als Geschäftsführerin der Carl Prinz GmbH führen Sie ein Unternehmen mit langer Familientradition. Bedeutet diese über 100-jährige Geschichte mehr Fluch oder Segen für Ihre tägliche Arbeit?

Ich finde, es ist ein Segen. Eine lange Familientradition darf aber nie dazu führen, dass man permanent rückwärts gewandt ist. Ich finde es schon hervorragend, dass ein Unternehmen so lange existiert. Und die Entscheidung, in die Carl Prinz GmbH und Co. KG einzusteigen bzw. meine Berufswahl noch einmal zu überdenken, ist anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums gefallen – weil ich es sehr bedauert hätte, wenn ein Unternehmen mit langer Tradition nicht in der Familie weitergeführt wird. Aber wichtig ist, dass man auch immer nach vorne schaut, denn Tradition alleine hält ein Unternehmen nicht am Leben! Ich will auf dem aufbauen, was in vielen Jahren geschaffen wurde, und – das ist mir besonders wichtig – ich will die Zukunft gestalten!

Was macht mehr Freude? Mit Erfahrung auf dem Boden zu bleiben oder innovationshungrig nach den Sternen zu greifen?

Freude ist es für mich, das Unternehmen Prinz zugleich zu bewahren und zu gestalten. „Bewahren“ heißt, die Werte zu leben, die in einem Unternehmen verwurzelt sind, das sich mehr als 119 Jahre im Markt behaupten konnte. Mit „Gestalten“ meine ich, die Zukunft gestalten. Wir müssen uns ständig neu erfinden und auf die sich wandelnden Bedürfnisse unserer Kunden ausrichten. Traditionell ist Prinz Innovationsführer. Wir beschäftigen uns sehr intensiv und nachhaltig mit neuen Trends und Anforderungen an Produkte, um unseren Kunden innovative Problemlösungen zu bieten. Das erwartet der Kunde auch von Prinz.

Interessant ist, dass gerade das Unternehmen, das ich leite, in letzter Zeit immer öfter Opfer von Kopien wird. Kopiert werden sowohl unsere Produkte als auch unser Produkt-Design.

Was bedeutet es Ihnen, am Standort Goch zu produzieren?

Ich bin in Goch groß geworden und fühle mich dem Niederrhein und seinen Bewohnern verbunden. In Goch haben wir ein hochmotiviertes, erfahrenes und innovatives Team. Das ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg des Unternehmens. Und Goch ist eng an das Ruhrgebiet, das Rheinland und an unsere Nachbarländer Holland und Belgien angebunden. Deshalb ist die Stadt und die Umgebung der ideale Standort für das Unternehmen Prinz.

Gab es schon einmal ernsthaft die Überlegung, den Standort zu wechseln?

Wir haben 1956 schon einmal den Standort gewechselt. Damals sind wir von Werdohl im Sauerland an den Niederrhein gezogen. Es wäre deshalb kein Problem für mich, wiederum den Standort zu wechseln. Aber es besteht dazu nicht die geringste Veranlassung.

Was, würden Sie sagen, lieben Sie am meisten an Ihrem Beruf und was gefällt Ihnen am wenigsten?

Für meine Tätigkeit als Geschäftsführerin bei Prinz habe ich mich entschieden, weil ich selbstständig und nicht weisungsgebunden arbeiten wollte.

An meinem Beruf gefällt mir am meisten, dass man jeden Tag kreativ sein kann, dass es so viel zu verändern und zu bewegen gibt. Das macht sehr viel Spaß! Mir gefällt es außerdem, viel unterwegs zu sein. Ich reise sehr gerne, das ist ein großer Vorteil meines Berufes. Und wenn Sie mich fragen, was mir weniger gefällt – dazu fällt mir spontan gar nichts ein!

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie sich eine Auszeit vom Geschäftsalltag gönnen?

Ich bin ein Familienmensch. Das heißt, alle Familienmitglieder, die zum Teil auch im Unternehmen tätig sind, haben ein sehr enges Verhältnis und treffen sich auch regelmäßig privat. Da auch mein Mann selbstständig und beruflich stark eingespannt ist, haben wir unter der Woche nur wenig gemeinsame Freizeit. Deshalb genießen wir es sehr, am Wochenende etwas Abstand vom Geschäftsalltag zu finden und zusammen Golfen zu gehen. In der Natur zu sein, uns in Ruhe unterhalten zu können und uns dabei auch noch sportlich zu betätigen – das macht uns großen Spaß.

Verraten Sie uns Ihr Geheimrezept: Wie schafft es die Carl Prinz GmbH entgegen der allgemeinen Marktentwicklung immer noch gesund zu wachsen?

Das Unternehmen Prinz ist von Grund auf darauf ausgerichtet, vom Kunden her zu denken. Ich habe bereits betont, dass wir ein innovatives Unternehmen sind und dass wir aus diesem Grunde auch innovative Artikel in unserem Produktportfolio haben. Das ist eine ganze wichtige „Zutat“ zu unserem Erfolgsrezept. Und wir haben ein sehr gutes, hoch qualifiziertes und motiviertes Team.

Dazu kommt, dass ich vom Naturell her Verkäufer bin, dass Verkaufen gewissermaßen meine Leidenschaft ist. Das vermittle und lebe ich unserer Mannschaft im Außendienst vor. Nicht allein deshalb, aber auch deshalb haben wir 14 engagierte Verkäufer, die sich als Berater unserer Kunden verstehen.

Außerdem verfügt Prinz über gute und innovative Produkte und über einen Service von hoher Qualität, wie Liefertreue und Lieferschnelligkeit. Das zusammen ist ein wichtiger Teil unseres Erfolgsrezepts.

Wohin glauben Sie, wird sich die Branche entwickeln? Und ist Prinz den bevorstehenden Herausforderungen gewachsen?

Wir sehen den Trend, dass sich der Verbraucher mehr als bisher auf das Häusliche besinnt. Das ist oftmals eine Folge von Krisenzeiten. Man zieht sich in die eigenen vier Wände, ins Haus zurück und will es dort schön und ansprechend haben. Für diesen Teil der Verbraucher haben wir in erster Linie unsere Premium-Produkte.

Daneben gibt es immer mehr Niedrigverdiener, die sich Produkte nur aus dem Discount-Bereich leisten können. Für diese Zielgruppe hat Prinz ebenfalls Produkte.

Schließlich gibt es den Objektbereich, der wiederum andere Anforderungen stellt. Hierfür haben wir Profi-Produkte entwickelt.

Deshalb ist das Unternehmen Prinz strategisch gut aufgestellt und kann weiter wachsen. Wachstum wird meiner Meinung nach in nächster Zukunft stärker durch die Breite des Programms generiert als durch wachsende Nachfrage nach unseren Produkten.

Wo sehen Sie die Carl Prinz GmbH in der Zukunft? Welche langfristigen Ziele gilt es zu erreichen?

Auch in der Zukunft sehe ich Prinz als Familienunternehmen. Wir werden unser Programm weiter ausbauen, um immer mehr zu einem Komplettanbieter im Bodenbereich zu werden. In unserem 7-Jahres-Plan haben wir ein jährliches Wachstum festgeschrieben, bisher liegen wir besser als der Plan.

Wir wollen und werden unseren Marktanteil in der BRD ausbauen und wir werden uns stärker als bisher auf den Export vor allen Dingen in Europa konzentrieren.

Um dieses Wachstum bewältigen zu können, investieren wir zurzeit in die Erweiterung unserer Lagerhaltung und Logistik. In diesem Sommer fällt der Startschuss für den Erweiterungsbau unserer Logistikhalle, mit der sich die zurzeit vorhandenen Kapazitäten mehr als verdoppeln werden.

Und zum Schluss noch kurz auf den Punkt gebracht: Wenn Sie sich schnell entscheiden müssten, was würden Sie wählen: Hammer oder Handtasche?

Hammer!

Frau Prinz, wir danken Ihnen für das Gespräch.